Frauen haben es nicht nötig Musik über ihren Körper zu verkaufen

Mono

Mono ist eine der wenigen bekannten Frauen in der deutschsprachigen Reggea-Dancehall-Szene. Die gebürtige Linzerin hat gemeinsam mit Nikitaman zwei Alben  herausgebracht. QUER sprach mit Mono über Gleichberechtigung in der Reggea-Szene, ihre persönlichen Erfahrungen und den Mut, politisch aktiv zu sein.

 

Du bist  mittlerweile eine der bekanntesten Reggae-Dancehall Künstlerinnen im deutschsprachigen Raum. Wie hat deine Musikkarriere begonnen?
Mono: Seit zehn Jahren mache ich selbst Musik. Anfangs habe ich nur aufgelegt, zuerst HipHop, dann auch Drum`n`Bass. Im Laufe meines Studiums an der Linzer Kunstuni habe ich ein Jahr in England verbracht. Dort hatte ich viel Kontakt zur Jamaikanischen Musik und bin total auf den Geschmack gekommen. Vom Drum`nBass MC’en ist es dann fließend zum Reggae- Dancehall übergegangen.

In Österreich sind vielleicht fünf Prozent der Reggae KünstlerInnen weiblich. Inwiefern haben es Frauen schwerer, sich in der Reggae-Szene durchzusetzen? 

Mono: Es gibt sicherlich Differenzen zwischen den Geschlechtern, Frauen haben es wesentlich schwerer, in der Szene akzeptiert zu werden. Für mich war es aber nie ein Thema, dass man als Frau Reggae nicht genauso machen kann. Ich glaube, dass es sehr viel darauf ankommt, wie man sich selbst sieht. Wenn man sich die ganze Zeit einredet, dass man schwächer ist, dann ist man es vielleicht wirklich irgendwann. Was ich nicht ganz nachvollziehen kann, ist wenn man als Frau einen „Frauen-Bonus“ kriegt, so à la „Das ist ja nur eine Frau, die braucht ja nicht so gut sein“. Mir ist es wichtig, dass Mann und Frau gleichwertig behandelt werden. 

Kannst du ein Beispiel nennen, wo du dich schon mal „diskriminiert“ gefühlt hast?

Mono: Im technischen Bereich ist es mir schon öfter passiert, dass der Techniker mich einfach nicht wahrnimmt. Wenn ich zu den Technikern sage, dass sie die Höhen lauter oder leiser drehen sollen, dann ist es schon passiert, dass sie mich ignorieren. So was bringt mich zum Rasen. Es macht mich wütend, wenn mich wer nicht wahrnimmt und ernst nimmt, weil ich eine Frau bin. Mittlerweile habe ich aber gelernt, mich zu behaupten und zu kontern. 

Andererseits reduzieren sich Frauen auch teilweise selbst auf ihre äußerlichen Reize. Stichwort: Girlies like Britney Spears und Christina Aguilera. 

Mono: Ich glaube nicht, dass es Frauen notwendig haben, die Musik über ihren Körper zu verkaufen. Wenn sie Musik machen wollen, dann sollen sie das tun. Dass sie dabei Manager haben, die ihnen sagen, was bei Männern gut ankommt, ist ihre Sache. Schade ist es, dass Viva und MTV fast nichts anderes mehr zeigen.

Siehst du dich als Vorbild für deine Zuhörerinnen? Gibt es etwas, was du ihnen mitgeben willst?

Mono: Gerade Frauen sollen das Bild aus den Augen verlieren, dass es so schwer ist, als Frau etwas zu machen. Sich selbst als gleichwertig zu betrachten, ist ganz wichtig. In unserer Gesellschaft gibt es viele Ungerechtigkeiten, zum Beispiel, eine Frau zahlt mehr für die Krankenkasse als ein Mann, dass  eine Frau für dieselbe Arbeit weniger Geld verdient als ein Mann, etc. Das zeigt uns, dass  es noch viel zu arbeiten gibt und es noch ein weiter Weg zur Gleichberechtigung ist. Wir Frauen müssen weiter stark sein und dürfen uns nicht unterkriegen lassen. 

Was wünscht du dir in diesem Zusammenhang von deinem jungen Publikum?

Mono: Ich finde es wichtig, politisch aktiv zu sein. Auch wenn es oft nicht so leicht ist, in Zeiten wie diesen den Mut nicht zu verlieren. Manchmal fühlt man sich als einzelne Kämpferin und glaubt, dass man sowieso nichts ändern kann. Aber das stimmt nicht. Es gibt so einen kleinen Prozentanteil von Leuten, die Gesetze schreiben und die, die Fäden ziehen. Wenn sich der Rest zusammenschließen würde, hätten sie viel mehr Macht als sie sich vorstellen können. Es ist für mich eine wichtige Aussage in unseren Texten, aktiv und positiv zu sein und den Mut nicht zu verlieren.

 

/Interview für das politische Magazin QUER #15 erschienen 2005.

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